Zur Ruhe kommen- wie geht das nochmal

Zur Ruhe kommen
-wie geht das nochmal?

 

Warum musste ausgerechnet mir sowas passieren und vor allem gerade jetzt?

Jetzt wo es aufwärts gehen sollte. Hatte das letzte Jahr mich nicht genug gefordert? Diese und ähnliche Fragen stellte ich mir damals häufig.

Meine zweite Schwangerschaft verlief anders als gewünscht, 11 Wochen Bettruhe, der Alptraum für mich, jemand der immer in Bewegung und Action ist.

 

Glücklicherweise ging alles gut und meine Tochter kam gesund und zum passenden Zeitpunkt zur Welt.

Die tiefe Dankbarkeit für dieses Glück ließ mich vieles, von dem was folgte, tragen. All die Strapazen der Schwangerschaft waren auch an meiner Tochter nicht spurlos vorbei gegangen und so fiel es ihr schwer auf dieser Erde anzukommen. Pausenlose körperliche Nähe und ständige Bewegung waren die einzigen Mittel gegen ihren Stress und das damit verbundene Schreien.

Also lief ich... und lief.... und lief und wenn der Tag zu Ende ging hüpfte ich bis spät in die Nacht hinein auf einem Gymnastikball auf und ab. 5 Monate lang!
Hört sich schrecklich an? War ehrlich gesagt gar nicht so schlimm, denn in Bewegung sein mochte ich ja, auf allen Ebenen.
Still sitzen, körperlich und geistig, einfach mal nichts tun- Das mochte ich nicht.

Unbewusst wollte ich meiner Tochter genau dies geben und suchte immer mal wieder nach Möglichkeiten, die ihr helfen konnten zur Ruhe zu kommen.

 

Ich entdeckte die eine Therapiemethode, deren fachliche, jedoch auch sehr intuitive Behandlung meiner Tochter, mich zutiefst beeindruckte.

Kurze Momente des Ablegens wurden nach einer Sitzung möglich und das Schreien wurde weniger. Beides dehnte sich immer mehr aus!

Jetzt wird alles gut!

 

Das sah mein Körper anders. Ich weiß nicht ob der Schock oder dieses Gefühl der Ungerechtigkeit (warum ich?) größer war, als ich die Diagnose erhielt.

Mit den Symptomen zu leben? Für mich keine Option.

Eine Idee diesen Umstand zu verändern? Keine Optionen von Seiten der Ärzte.

Ein Jahr lang tat ich alles was ich gut konnte, ich hielt mein Kopf mit zahlreicher Literatur und Internet- Recherche auf Trab und mein Körper mit alternativen Atemübungen, unterstützenden Sportprogrammen etc.

Es wäre unfair zu behaupten, diese Dinge hätten nicht auch ihren Beitrag geleistet.

 

Der für mich entscheidende Punkt zur Genesung ( Achtung Spoiler: Ich bin komplett genesen!) war der Besuch einer Fortbildung zu der Methode, die meiner Tochter so nachhaltig geholfen hatte.

Ich war immer noch beeindruckt von dem Umschwung, den die diese sanfte und doch so effektive Methode meiner Tochter gebracht hat.

Das Schöne an diesen Fortbildungen ist, dass man natürlich auch ganz viel Anwendungen empfangen darf. Ich war ein dankbares Übungsobjekt, ich hatte ja auch eigentlich kein Thema. Dachte ich ;-)

 

Und dann war alles still

 

Ich lag auf der Liege, positiv neugierig und tat etwas, was mir schon lange völlig fremd geworden war.

Ich kam zur Ruhe, zu einer echten wahren Ruhe, ohne Erwartung oder Bewertung.

Da meldete sich mein Schmerz, erst leise, fast zaghaft. Dann immer deutlicher, hartnäckiger, verfolgte mich in den ganzen Abend hinein. Als hätte er darauf gewartet, endlich zu Wort zu kommen. Mit ihm kamen so viel andere Emotionen, Angst vor dem was sich dort zeigte, Wut, denn ich wollte doch einfach nur entspannen und auch Neugierde.

Wo saß er? Ich konnte es nicht einordnen, aber trotzdem kam er mir so bekannt vor?

 

Am Abend durchfuhr es mich wie ein Blitz. Es war meine Gebärmutter!

Ich schwitzte in dieser Nacht Blut und Wasser und war unsicher, ob ich am nächsten Fortbildungstag überhaupt teilnehmen wollte.

Zum Glück entschied ich mich nicht nur für die Fortbildung, sondern vor allem dafür meinem Körper zuzuhören.

 

Wieder zu mir kommen, mich selbst wieder finden

 

Ich wurde still und fühlte hin, verstand nicht was passierte, ließ Tränen laufen. Mein Kopf beruhigte mich, indem er mir immer wieder mitteilte, dass Gefühle die wir annehmen, im Durchschnitt drei Minuten andauern. Doch diesen Schmerz hatte ich vergraben, er lag unter so vielen Schichten.
Ich fühlte ihn, ließ alles zu.
Die Verzweiflung, die Angst, das Kind, MEIN Kind nicht halten zu können.
Eine Wut auf meinen Körper und noch vieles mehr. Es veränderte sich.

Mein Körper und ich verziehen uns gegenseitig für die Beschuldigungen und die nicht immer nette Behandlung.

 

Es war wunderbar.
Die Tränen endeten, mein Körper ließ los, ich sackte gefühlt mehrere Zentimeter tiefer auf die Matte. Meine Muskeln erinnerten sich, wie sie loslassen, sich entspannen können.
Es gab nichts mehr festzuhalten, nichts zu verstecken, ich durfte einfach sein. 
Meine Schiene um das nächtliche Zähneknirschen zu reduzieren, zog kurz darauf aus der Nachttischschublade aus und landete bald darauf im Müll.


Ich verstand nicht was sich verändert hatte, so konnte ich meinem Umfeld schwer erklären, wie es zu dieser neuen Gelassenheit kam. Dass ich wohlwollend über Dinge schmunzelte, die mich vor kurzem noch auf die Palme gebracht hätten.
Ich suchte nicht mehr verbissen nach dem nächsten Entspannungskurs oder zwang mich zu einem Spaziergang, natürlich nur mit Podcast auf den Ohren.
Nein, die Ruhe fand wie selbstverständlich Einzug in meinem Alltag.

Ich saß auf dem Boden, schaute meinen Kindern beim Spielen zu und war einfach da, in diesem Moment, vollkommen ruhig.
Ich genieße sogar das warten an der Supermarktschlange, meistens zumindest :-) 
Nichts mehr vor dem ich weglaufen oder ich mich verstecken muss.

 

Danke, dass ich meinen persönlichen Erfahrungsbericht mit dir teilen darf. Warum ich das tue?

Weil ich täglich Frauen begegne, die sich Ruhe wünschen und gleichzeitig vor ihr weglaufen.
Ich bin so unglaublich dankbar, dass ich diese Methode erlernen und in meine Körperarbeit einfließen lassen darf.
Ich möchte das, was ich jeden Tag mehr lerne zu leben, mit dir teilen.

 

Wie ging es dir beim lesen dieser Zeilen? Hat es dir einen Kloß im Hals bereitet, dich nervös werden lassen oder hast du dich angegriffen gefühlt? Vor der Ruhe weg laufen, so ein Quatsch, ich würde ja gerne, aber....

 

Ich lade dich ein, dich und deinen Körper zu erleben. Geh auf eine Reise zu dir und sei neugierig was dich erwartet. Halte inne, hör auf zu funktionieren und sehe wer du noch bist, neben Arbeitnehmerin, Mutter, Partnerin... .Wer bist DU?

 

Du bist dir unsicher? Frag deinen Körper, er weiß was gut für dich ist.